Donnerstag, 26. Februar 2015

Zurückspulen?



„Warum kann man im wirklichen Leben nicht einfach zurückspulen?“ Die wehmütige Frage einer 20-jährigen Frau beschäftigt mich auch nach Tagen noch. Irgendwie kann ich ihren Wunsch verstehen. Wenn etwas schief gelaufen ist im Leben. Wenn  ich allenfalls falsche Entscheidungen gefällt habe. Dann wäre es schon praktisch, zurück zu spulen. Nochmals anzufangen. Es anders machen. Leider geht dies so nicht. Klar, ein Neuanfang ist zum Glück immer möglich. Aber, die Scherben der Vergangenheit sind  noch da. Verletzungen. Prägungen. Zurückspulen, ungeschehen machen, neu anfangen geht nicht so einfach.
Tiefgründige, ja schwere Gedanken habe ich mir darüber gemacht. Zum Glück habe ich aber bei der jungen Frau nochmals nachgefragt. Nein, zurückspulen wollte sie nur nochmals an den Beginn ihres Ferienaufenthalts. Der Urlaub ging zu schnell vorbei. Ich bin erleichtert.
Ich kann es auch verstehen. Urlaub in der Freien Ferienrepublik Saas-Fee ist einzigartig. Viertausender. Pisten. Atmosphäre. Grossartiger ist dies nirgends sonst zu erleben. Bloss, ich kann das Urlaubsende eines Gastes nicht hinausschieben…
 Aber vorspulen könnte man. Den nächsten Urlaub im Saastal sofort buchen…


Christoph Gysel

Sonntag, 22. Februar 2015

Grippe im Urlaubsparadies?



Wunderschönes Winterwetter. Viel Sonne. Und top Schneeverhältnissse inmitten der imposanten Viertausender. Die vergangenen Tage zeigten sich von der grossartigsten Seite. Allerdings, nicht jeder in der Freien Ferienrepublik Saas-Fee konnte sie geniessen. Die Grippe hatte zugeschlagen. Sogar in unserm Paradies. Und erst noch bei mir. Brutal. Herrliche Wintertage und es legt einen ins Bett. Fieber, Husten, Schnupfen, Kopfweh, Gliederschmerzen: nicht angenehm.
Klar, ich könnte dankbar sein dafür, dass ich dies in den vergangenen 20 Jahren nie so erleben musste, Ich war schliesslich überzeugt, dass die gesunde Luft hier, gekoppelt mit meiner positiven Lebenseinstellung mich gegen die Grippe immun machen würden. Ein Irrtum, wie sich nun herausstellte. Natürlich, ich habe die Grippe soweit überlebt. Mit viel Tee und Medikamenten. Aber sonst ohne Schaden…
Leid getan haben mir allerdings die Feriengäste, die ebenfalls von der Grippe heimgesucht wurden und deren Urlaub dadurch arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. Kinder, die bei solch grandiosen Pistenverhältnissen das Bett hüten mussten. Selbstverständlich sind sie bei unserer gesunden Bergluft schneller wieder auf die Beine gekommen als dies im nebligen Unterland möglich gewesen wäre. Für die Betroffenen ist dies wohl ein schwacher Trost.
„Ich komme wieder!“ Der wiedergenesene 12-jährige hat entschieden. „Das Saastal ist cool.“ Und so werden die Eltern gehorsam auch den nächsten Winterurlaub bei uns buchen…
Mir persönlich bleibt die Erkenntnis, dass Schönes oft erst dann als solches geschätzt wird, wenn es einem plötzlich vorenthalten wird. Vielleicht hatte die Grippe von da her auch ihr Gutes.

„Wirklich gesund leben nur die Kranken.“
Gerhard Uhlenbruck


Montag, 9. Februar 2015

Es bräuchte bloss ein „Sorry“!



Wunderschönen Urlaub hatte sie erlebt. Grossartige Skitage auf perfekt präparierten Pisten im Saastal verbracht. Die Familie war begeistert. Appartement perfekt. Wetter auch. Eigentlich alles ok. Wenn da bloss dieser Zusammenstoss mit jenem Skilehrer nicht gewesen wäre. Das 12-jährige Mädchen der Familie wurde von einem Teilnehmer einer Skischulklasse gerammt. Der Skilehrer nahm dem geschockten Mädchen daraufhin einen Ski vom Fuss. Warf ihn in den Tiefschnee. Packte es am Oberarm. Stauchte es verbal zusammen. Und drohte ihm, das Skiabo wegzunehmen. Das Kind war völlig verängstigt. Eine vom Vater gewünschte Aussprache führte zu keinem vernünftigen Ergebnis. Die Familie war aufgebracht.
Klar kann auch ein Skilehrer einen schlechten Tag haben. Sich aufregen. Aber selbst, wenn das Kind einen Fehler gemacht hätte: es zu packen, es anzuschreien, ihm den Ski wegzuschmeissen und ihm zu drohen, geht gar nicht. Und dann nicht einmal ein „Sorry“ über die Lippen zu bringen, ist schwach. Ja, selbst mit einer so einfachen Entschuldigung am Schluss, wäre ein happy End noch möglich gewesen. Es bräuchte oft so wenig. Ein versöhnliches Wort. Eine Entschuldigung. Eine kleine Geste. Doch so bleibt für das Mädchen die Angst vor den Leuten in der roten Sportjacke. Und für die Familie ein schaler Eindruck in Sachen Wintersportferien in der Freien Ferienrepublik Saas-Fee. Wenn sie im kommenden Winter nicht mehr zu uns kommt, hat dies jedenfalls nichts mit dem starken Schweizer Franken zu tun…
Was ich aus der Geschichte lerne? Dranbleiben in Sachen Respekt, Freundlichkeit und Kompetenz. Im Unterschied zum teuren Franken kann ich da sehr wohl einen Beitrag leisten, dass die Gäste wiederkommen.

„Wir ahnen gar nicht, wie gross der Kredit ist, den Kinder uns geben, und wie schnell er verspielt ist.“
Heinrich Böll 


Sonntag, 1. Februar 2015

Sauwetter?



Die letzten Tage waren wettermässig nicht gerade überragend. Meinte ich. Schneegestöber. Wind. Geschlossene Pisten wegen Lawinenabschuss. Wenig Sonne. Die Gäste taten mir leid. Jedenfalls habe ich mich bei ihnen dafür etwas entschuldigt. Darauf hingewiesen, dass wir leider auf das Wetter so wenig Einfluss hätten wie auf den starken Schweizer Franken…
„Urlaub ist doch dafür da, den Kopf durchzulüften. Und das sei in den letzten Tagen im wahrsten Sinne des Wortes geschehen.“ Die Antwort verblüffte mich. Sie hätten endlich Winter erlebt. Das Wetter richtig genossen. Und als Beleg dafür zeigte mir der Familienvater auf seinem Handy stolz Bilder von Schneeböen, von der vereisten Vispa, von ihrer gemeinsamen Schneeschuhtour und einem wunderschönen Jassabend. Nein, der Urlaub sei top gewesen. Und das gemütliche Appartement hätte man bei so einem Winteraufenthalt noch mehr genossen.
Ich ärgere mich etwas über mich. Wir haben so viel zu bieten. Natur, Schnee, Eis, Wind, herrliche Berge, natürlich auch viel Sonne. Meistens jedenfalls. Aber zum Glück nicht nur. Das wäre ja wirklich langweilig. Dazu wurde mir einmal mehr klar, nicht ich entscheide, was der Gast als gut und schön erlebt.

Christoph Gysel

„Wer sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.“
Franz Kafka 


Sonntag, 25. Januar 2015

Wenn doch nicht bloss der Franken stark wäre…



Der Schock sitzt immer noch tief. Der Entscheid der Schweizer Nationalbank, den Euromindestkurs aufzuheben, hat beängstigende Auswirkungen insbesondere für den Tourismus. Plötzlich ist der Urlaub für unsere Eurogäste 20% teurer. Als ob wir für sie nicht vorher schon teuer genug gewesen wären… Der starke Schweizer Franken. Bricht er dem Tourismus das Genick? Gibt es überhaupt Mittel, diese Herausforderung erfolgreich zu meistern? Selbst Fachleute sind etwas ratlos. Sie reden von Qualitätsverbesserung oder Mehrwert, den es den Gästen zu bieten gelte. Klar, die Freie Ferienrepublik Saas-Fee hat viel zu bieten. Imposante Viertausender. Top Skipisten. Gastronomie mit höchster Qualität. Nachhaltigkeit. Authentische Bergdörfer. Grossartige Gastgeber. Bloss, preiswert ist dieses einzigartige Ferienerlebnis halt schon nicht mehr. Ich bin gespannt, wie die Tourismusverantwortlichen auf diese Herausforderung weiter reagieren.
Ich als Pfarrer – ich habe neben dem Schreiben wirklich noch einen anständigen Beruf – darf dabei sicher auf einen besonderen Aspekt hinweisen: Solidarität. Ich rechne damit, dass Stammgäste uns die Treue halten. In dieser schwierigen Zeit weiter zu uns kommen. Nicht einfach zu Schnäppchenjägern werden. Ich hoffe, dass gerade auch Schweizer jetzt erst recht Urlaub bei uns buchen. Ja, ich träume davon, dass nicht bloss der Franken stark ist, sondern auch die Solidarität.
Bei einem Gespräch wurde mir gestern zwar erklärt: „Solidarität gehe nur bis zum Geldbeutel. Dann hört sie auf.“ Als Optimist glaube ich, dass es auch anders sein kann. Solidarität fängt eigentlich erst beim Geldbeutel an. Ich schäme mich nicht, an diese Solidarität zu appellieren. Sie werden es nicht bereuen. Denn wir werden alles daran setzen, dass Urlaub bei uns ein einzigartiges Erlebnis bleibt. Dazu bin ich überzeugt, dass diese zugegebenermassen nicht einfache Situation uns alle näher zusammen führt. Freundschaften entstehen, die stärker als jede Währung sind.

Christoph Gysel

„Solidarität ohne persönlichen Verzicht ist Heuchelei.“
Egon P.S. Zehnder