Donnerstag, 30. Juni 2016

Von wegen Seniorenzeit!

Diese Woche war ich Gast in einer kirchlichen Seniorenfreizeit in Saas-Almagell.
Es war ein schöner Abend. Mein Vortrag kam gut an. Die Leute waren mehr als zufrieden mit mir, dem Tourismuspfarrer. Anderntags erwähnte ich meinen Besuch bei den Senioren anlässlich eines Vertretergespräches. Frustriert meinte der: «Im Juni ist nichts mehr los. Da verirren sich bloss noch ein paar Senioren ins Saastal. Eine typische Seniorenzeit»! Ich war etwas genervt. Vielleicht weil ich mich selber bald im Seniorenalter befinde. Oder mich in meiner Rekonvaleszentszeit zumindest so fühle. Dazu bin ich überzeugt, dass die Freie Ferienrepublik Saas-Fee gerade im Juni unglaublich viel zu bieten hat. Musikfest, GourmettrailAlpaufzügeKuhkämpfe,Folkloreveranstaltungen um nur einige Dinge aus der Animation aufzuzählen. Dazu die grossartige Natur, all die Bergblumen die zur Zeit blühen. Von wegen nichts los. Aber man müsste es halt sehen und begeistert darüber erzählen. Oder wenigstens ein entsprechendes Bild auf Facebook stellen. Der Juni im Saas ist grossartig. Nicht bloss für Senioren. An der Stelle könnten wir uns ruhig von den negativen Festlegungen verabschieden. Und neugierig entdecken, was der angebrochene Sommer an Überraschungen bereit hält.
Christoph Gysel
„Die das Negativdenken fest in ihrem Gehirn verankert haben, gehören nicht zu jenen, die etwas bewegen können.“
Ernst Ferstl

Die heilende Wirkung der Berge

Nein, ich gehöre nicht zu den Menschen, welche einen Felsen berühren können und dann gleich dessen grossartige Energie aufnehmen. Ich fühle beim Betrachten unserer Berggiganten nicht die Kraft des Universums, die mich zu neuen (Un)Taten drängt. Ich kann aber staunend unsere grossartigen Viertausender betrachten und dankbar an den Schöpfer denken, dem ich nicht egal bin. Ich kann mich freuen an all den vielen Dingen, die das Leben so schön machen. Der wohltuende Regen, der alles so grün werden lässt. Die unzähligen Alpenblumen. Die wärmende Sonne. Der streichelnde Wind. Die kecken Wildtiere. All die erfrischenden Menschen. Ich kann dankbar das Gute erkennen und mich deshalb auch mutig den schwierigen Herausforderungen des Lebens stellen. Da erzählt mir eine gut 80-jährige Frau über ihr Erleben als Verdingkind. Es war schlimm. Sie wurde bei einem Bauern platziert. Täglich so sehr geschlagen, dass sogar die Behörden darauf aufmerksam wurden. Sie kam in ein Kinderheim. Und damit vom Regen in die Traufe. Als Bettnässerin wurde sie täglich von der verantwortlichen Person auf einen Stuhl gesetzt und musste das nasse Bettlaken über dem Kopf tragen, bis dieses trocken war. Unglaublich. Plötzlich unterbricht sie ihre grausamen Erinnerungen. Ein Strahlen geht über ihr Gesicht, sie zeigt auf das Fletschhorn und meint: „Es sieht aus wie das Matterhorn“. Sie kenne all diese Berge gut. Auf manchen von ihnen sei sie auch selber gewesen. Sie hätte auch manch Gutes erlebt in ihrem Leben. Das wolle sie nicht vergessen. Ein Blick auf die grossartige Schöpfung kann wirklich gut tun.
Christoph Gysel

Wahre Grösse

Menschen sind verschieden. Sehr sogar. Ihre Charaktere. Ihre Begabungen. Unglaublich vielfältig. In diesen Wochen hatte ich die Chance, viele unterschiedliche Menschen zu beobachten, zu erleben. Kompetente Chirurgen. Geduldige Patienten. Fürsorgliches Pflegepersonal unterschiedlicher Nationalität; seriöse, fachlich versierte, witzige, freundliche, dienstbereite… In Krankenhäusern kann man verschiedene Menschen beobachten.
Und ich hatte Zeit dazu. Viel Zeit.
Welche all dieser Menschen mir wohl den grössten Eindruck hinterliessen?
Wohl jene, die in aller Selbstverständlichkeit die kleinen und undankbaren Arbeiten verrichteten. Sich nicht zu schade waren, mir selbst den Hintern zu putzen.
Echt bewundernswert.
Vielleicht bräuchte unsere Gesellschaft etwas weniger Leute mit einem grossen Maul.

Dafür aber mehr Menschen, die bereit sind, zu dienen. Sind es nicht die uneigennützigen dienenden Menschen, welche auch die Freie FerienrepublikSaas-Fee so grossartig machen? Ich denke an jenen Rentner, der seine Wanderwegegrossartig unterhält. Oder an jenen Postbuschauffeur, der einfach nur freundlich und hilfsbereit ist. Grossartige Konzepte alleine verbreiten keine wohltuende Atmosphäre. Dienstbereite, freundliche Menschen hingegen schon.

Christoph Gysel




Heimatsehnsucht nach dem Saas

Freiwillig sollte man die Freie Ferienrepublik Saas-Fee nicht verlassen. Wer hier Heimat gefunden hat, dem ist die Fremde schmerzhaft fremd. Und dann kommt noch diese tiefe Sehnsucht. Nach den geliebten Bergen. Der gesunden, feinstaubfreien Luft. Den Gletschern. Den authentischen alten Häusern. Den Gämsen, Murmeltieren und Steinböcken. Den eigenen und doch so liebenswerten Saasern. Nein, wer im Saastal Heimat gefunden hat, dürfte eigentlich nie weggehen. Es müssten denn existentielle Gründe vorliegen. 

Warum ich so sentimental schreibe? Ganz einfach. Ich bin zur Zeit nicht im Saas, sondern eben in der Fremde. Liege wieder einmal in einem Spitalbett in Bern. Gezwungenermassen. Denn in der Freien Ferienrepublik fehlt unter anderem ein Krankenhaus mit entsprechenden Chirurgen. Aber ich leide. Nicht bloss an den Folgen der Operation. Die Temperaturen hier sind selbst in der Nacht unerträglich drückend. Lärm und Hektik sind nicht gesundheitsförderlich. Ich sehne mich nach dem Saas. Nach den Bergen. Nach dem Paradies. Nach der Heimat.

Vielleicht kommt nun der Einwand, ich sei doch auch im Kopf krank. Leide noch an den Auswirkungen der Narkose. Im Saas erfährst du doch bloss Kritik, Ablehnung. Selbst dein literarisches Schaffen wird ausserhalb des Wallis doch mehr gewürdigt als da. Trotzdem bleibe ich dabei: Das Saas ist halt meine frei gewählte Heimat. Und ich warte darauf, heimgehen zu können.

Christoph Gysel

„In der Fremde erfährt man, was die Heimat wert ist und liebt sie dann umso mehr.“
Ernst Wichert


Saaser Bergfrühling – Fun für die Seele

Die Faszination ist gross für mich. Kaum schmilzt der Schnee durch die intensive Saaser Sonne, spriesst und blüht es vielfältigst im mediterranen Saastal. Der Bergfrühling in der FreienFerienrepublik Saas-Fee zieht nicht bloss profunde Kenner in seinen Bann. Auch fachunkundige Geniesser sind fasziniert. Unglaublich, was hier - umgeben von den höchsten Viertausendern der Schweiz - alles blüht. Nein, nicht bloss Enziane und Edelweiss. Eine immense Vielfalt. Intensivste Farben. Auch absolut seltene Pflanzen. Und Felder von Alpenrosen. „Blumen sind das Lächeln der Erde.“ Ralph Waldo Emerson hatte mit dieser Feststellung Recht. Es lohnt sich wirklich, den Bergfrühling im Saas zu erleben. Das ist nicht bloss schön. Es tut einfach gut, diese Pracht einzusaugen. Oder wie es Alexander von Humboldt gesagt hat: „Die Natur muss gefühlt werden.“
Klar könnte man nun behaupten, dass ein Blumenspaziergang oder eine genüssliche botanische Wanderung keine sportlichen Highlights seien. Dafür aber „Fun für die Seele“ wie ein mir sehr nahestehender Theologe jeweils zu sagen pflegt. Noch spiritueller bezeichnete Joseph von Eichendorff das Geniessen der Alpenflora, wenn er vom „grossen Bilderbuch das uns Gott draussen aufgeschlagen hat“ spricht.
Verpassen Sie also den Bergfrühling im Saastal nicht.
Im Juli ist übrigens auch die lehrreiche „Alpenblumenpromenade“ in Saas-Grund wieder offen. Ich wünsche jedenfalls viel Genuss und staunendes, wohltuendes Entdecken.



Christoph Gysel

Montag, 18. April 2016

Liebeserklärung an die Saaser

Da habe ich mit meinem letzten Blog in ein Wespennest gestochen. Meine kritische Anmerkung, dass das Paradies Saastal sich noch perfekter anfühlen würde, wenn das menschliche Miteinander auch noch etwas besser wäre, hat mir doch etwas Ärger, resp. einige Zuschriften eingebracht. Dass die Freie Ferienrepublik Saas-Fee ein Paradies sei, wurde dabei nicht bestritten. Die Einzigartigkeit unserer Viertausender und die grandiose Gletscherwelt waren deshalb nicht Thema der Reaktionen. Auch nicht die intakte Natur, die unglaubliche Zahl von Sonnenstunden oder die feinstaubfreie Luft. Aber dass der Umgang der Menschen in diesem Paradies noch verbesserungswürdig sei, wurde von einigen Lesern vehement in Abrede gestellt. Ein anderer meinte: „So etwas schreibt man doch nicht! Es gilt den Leuten nur das Positive zu berichten!“ Zum Wohl meines Egos gab es aber mehr positive Rückmeldungen zu diesem Blog.

Eines kann ich aber klarstellen: Ich liebe die Saaser. Ihre geerdete, direkte Art. Das Impulsive. Das Bodenständige. Ihre unaufdringliche, zurückhaltende Freundlichkeit. Die konsequente und radikale Form, wie sie Freundschaft pflegen. Die Selbstverständlichkeit wie sie ihre Traditionen und Werte leben. Ich liebe diese Menschen. Ohne sie wäre ich nicht schon 30 Jahre hier. Und das Saastal nicht zu meiner Heimat geworden. Würde ich nicht so manche davon als echte Freunde bezeichnen. Doch vielleicht ist es gerade diese Liebe, die mich wünschen lässt, dass das Miteinander noch besser und paradiesischer wird.


Christoph Gysel


Mittwoch, 6. April 2016

Das fast perfekte Paradies


Ein grandioser Winter geht zu Ende. Viel Sonnenschein. Perfekte Pisten. Unzählige zufriedene Gäste. Die Freie Ferienrepublik Saas-Fee ein Paradies für Wintersportler und Geniesser. Einverstanden, das Saastal mit seinen 18 Viertausendern ist einzigartig. Die authentischen Bergdörfer sind wohltuend. Und dann die imposanten Gletscher, die reine Bergluft, die intakte Natur: Wirklich ein Paradies.


„Das Saastal ist wunderschön! Wenn da bloss nicht die Menschen wären!“ Dies hat mir ein Gast so zum Abschied gesagt. Und, zum Glück nicht allzu tragisch, auf einige unfreundliche Begegnungen hingewiesen. Aber genau diese haben es in sich. Sind zerstörerisch. Das menschliche Miteinander erscheint mir (noch) nicht sehr paradiesisch. Da leben wir zwar im Paradies, benehmen uns aber nicht so. Was mir nur die letzten Tage begegnet ist an Beschimpfung, schlechtem Reden über andere, Drohungen, arrogantem Verurteilen, Betrug und Unfreundlichkeit, tat schon weh. Müsste eigentlich nicht sein. Passt nicht zum Paradies. Nun höre ich schon die Reaktionen auf diesen Blog: „Ein weltfremder Träumer!“ Bloss, ich werde weiter träumen davon, dass sich der Mensch – mit Gottes Hilfe – auch zum Guten ändert. Dann heisst es vielleicht irgendwann: „Das Saastal, das einzigartige Paradies, Treffpunkt für spannende, echte und freundliche Menschen…“


Christoph Gysel