Samstag, 18. Juli 2015

„Man muss die Feste feiern wie sie fallen!“



Dass die Walliser verstehen, Feste zu feiern ist unbestritten. Dass sie es gerne tun auch. Und Anlass zu einer Feier gibt es immer. Wenn ich da bloss den Veranstaltungskalender der Freien Ferienrepublik Saas-Fee studiere, wähne ich mich gleich in einer Festhütte. Spanferkelfest, Alpfeste, Jodlerfest, Seenachtsfest, Saaser Dorffest, Eröffnungsparty Sommerskigebiet und all die Festlichkeiten zum Nationalfeiertag um nur einige zu nennen. Wer also heiss feiern möchte – bei angenehmen Bergtemperaturen – sollte unverzüglich ins Saastal reisen. Er wird auf seine Kosten kommen…

Besonders angetan haben es mir in diesem Jahr die Feiern zum Nationalfeiertag. Nicht bloss wegen des grossartigen und absolut sehenswerten Folkloreumzuges in Saas-Grund zum Thema „Wie die alten Saaser lebten.“ Auch nicht wegen den verschiedenen Festansprachen, meist von Politikern. Selber habe ich zuviele 1. Augustansprachen gehalten als dass ich mich über diese zu arg auslassen möchte. Nein, auch wenn es mich manchmal schon amüsiert, wenn Redner nach wohlgeschliffenen Redewendungen suchen, mit viel Pathos wohlbekannte Dinge kompliziert den Zuhörern zuschreien und versuchen rethorisch zu punkten. Anstatt den Menschen einfach das zu sagen, was sie ihnen mitteilen möchten. Und dann zu schweigen, wenn es gesagt ist. Denn nachher geht es dann jeweils grossartig los. Nicht die Diskussion über die Rede, sondern das Fest.   

In diesem Jahr feiert das Wallis die 200-jährige Zugehörigkeit zur Schweiz. Oder umgekehrt. Und das wird gefeiert. Nicht bloss am 1. August. Das ganze Jahr über. Anlässe, Feste aller Art. Als geschichtsinteressierter Mensch  weiss ich zwar, dass damals alles andere als eine Liebesheirat zwischen dem Wallis und der Eidgenossenschaft stattgefunden hat. 1815 wurde in Wien – nach der napoleonischen Zeit - eine europäisch arrangierte Zwangsheirat vollzogen. Warum man so etwas feiern kann? Ganz einfach: Liebe kann sich entwickeln. Sogar in der arrangierten Ehe Schweiz – Wallis. Oder eben: Man muss die Feste feiern wie sie fallen…“


Konkreteres zu Feierlichkeiten, Partys und anderen grossartigen Events in der Freien Ferienrepublik Saas-Fee findet sich unter: http://www.saas-fee.ch/de/live/events/




Christoph Gysel

Mittwoch, 10. Juni 2015

Stolz, Walliser zu sein!



Wir sind Cupsieger. Wir Walliser haben das Wunder erneut geschafft. Selbst als krasser Aussenseiter beim grossen FC Basel. Wir haben es allen gezeigt. Der Fussballcuppokal gehört uns. Und zwar absolut verdient. Die Euphorie im Wallis ist gross. Nicht bloss bei mir. Der ganzen Schweiz haben wir wieder einmal gezeigt, was in uns steckt. Nein, wir sind keine Looser. Wir sind Sieger. Wir haben einen unvergleichlichen Kampfeswillen. Wir sind stolz, Walliser zu sein. 

Unglaublich, fast phänomenal, wie das Wallis in diesen Tagen als Einheit da steht. Vergessen ist alles, was trennt. Die Auseinandersetzungen zwischen Ober- und Unterwallis. Der Dörfligeist. Die jahrzehnte alten Streitereien zwischen Familien. Alles vergessen. Für den Moment wenigstens. Wir sind Cupsieger! Unglaublich, was ein Fussballspiel auslösen kann: eint ein ganzes Bergvolk, bewirkt Begeisterung, vermittelt Selbstwert. Zugegeben, das alles wird schnell wieder verfliegen. Aber immerhin.

Wer kann es mir verübeln, wenn ich davon träume, dass dieser Zustand etwas anhalten würde: Einheit, Kampfwillen und Begeisterung? Das gäbe Schub für unseren serbelnden Tourismus. Wäre ideal für unser etwas ramponierte Image. Gäbe einen Motivationsschub, wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen erfolgreich anzupacken. Kampf, Begeisterung und Einheit. Warum soll dies eigentlich bloss der Traum eines alternden Schreiberlings sein? „Träume sind dazu da, dass man sie verwirklicht“ (Richard Gere). Es kann doch nicht sein, dass diese Walliser Tugenden nur alle paar Jahre bei einem Fussballspiel abgerufen werden…

„Wenn wir einig sind, gibt es wenig, was wir nicht tun können. Wenn wir uneins sind,  gibt es wenig, was wir tun können.“
John F. Kennedy

Christoph Gysel

Freitag, 5. Juni 2015

Von wegen bloss ein Alpaufzug!



In einer Woche fängt es an. In Zermeiggern (hinter Saas-Almagell). Eine Woche später auf der Triftalp (oberhalb Saas-Grund). Und dann gibt es noch weitere. Die Freie Ferienrepublik Saas-Fee berichtet darüber. Wovon ich rede? Von den Alpaufzügen im Saastal. Ob es sich lohne über einen so traditionellen Anlass überhaupt ein paar Zeilen zu verlieren, einen Blog zu schreiben? Und wie! Das muss man erlebt haben! Klar, am Computer fühlen sich diese Alpaufzüge sehr fade an: „Das Bringen von Weidevieh auf Bergwiesen“ (Wikipedia). In der Freien Ferienrepublik Saas-Fee ist das etwas ganz Anderes. Da prallen Natur pur, Tradition, Kampfkraft, Emotionen und Gemütlichkeit in überwältigender Form zusammen. Packende Kuhkämpfe (ohne Blutvergiessen) zwischen den stolzen Eringer Kühen. Emotionale und vielleicht noch stolzere Besitzer. Musik. Essen, Trinken, Geselligkeit inmitten einmalig urchiger Menschen, einer unglaublichen Natur und einem überwältigenden Bergpanorama. Das sind die Alpaufzüge im Saastal.  Von wegen, bloss ein Alpaufzug. Das ist ein Event, den man erlebt haben muss. Möglich ist es noch. Nächste Woche geht es los.

„Zurück zur Natur – solange noch etwas davon übrig ist.“
Gerhard Uhlenbruck

Oder wenigstens zu einem Saaser Alpaufzug - da ist noch ziemlich viel Natur…

Christoph Gysel

Dienstag, 26. Mai 2015

Familiengeschichten

Das Saastal ist für mich Heimat. Da fühle ich mich wohl. Geborgen inmitten der majestätischen Viertausender. Fasziniert von der intakten Natur. Begeistert von der Tradition und den authentischen Bergdörfern. Herausgefordert von den einzigartigen Menschen hier. Heimat.
Wichtig ist für mich daneben aber auch die Familie. Jener unbekannte Denker hatte wohl Recht, der behauptete: „Der wichtigste Verein heisst Familie.“ Die Familie kann etwas Wunderbares sein. So gab es am vergangenen Wochenende, in meinem abgelegenen Rebberg im vorderen Vispertal, ein eigenartiges Familientreffen. Wissend, dass ich gesundheitlich bedingt mit den Rebarbeiten im Rückstand bin und dieser Ort für mein kreatives Schaffen sehr wichtig ist, traf sich ein Teil meiner Familie zur Arbeit. Natürlich gab es ein besonderes Bild ab, wenn da z.B. die Finanzdirektorin des Kantons Schaffhausen sich mit der Laubarbeit in meinem kleinen Weinberg abmühte. Als ob sie nichts Wichtigeres zu tun hätte… Aber das ist eben Familie. Man hält zusammen. Ist füreinander da. Johann Wolfgang von Goethe hatte schon festgestellt: „Denn zu Zeiten der Not bedarf man seiner Verwandten.“
Es ist ein Geschenk, nicht bloss Heimat, sondern auch eine intakte Familie zu haben.
Schön ist es allerdings auch, wenn die Familie nicht nur in den schwierigen Phasen des Lebens zusammen hält, sondern wenn wir mit den Liebsten genauso die schönsten Augenblicke verbringen können. Zum Beispiel unvergessliche Urlaubstage in der Freien Ferienrepublik Saas-Fee…
 

„Ein Baum ohne Wurzeln – ein Mensch ohne Familie.“
Till Brendel

Christoph Gysel

Montag, 18. Mai 2015

Das glücklichste Volk!



Nun ist es amtlich. Wissenschaftlich belegt. Die Schweizer sind das glücklichste Volk auf der Erde. 158 Länder haben die Forscher unter die Lupe genommen. Detaillierte Studien erfasst. Geforscht über Lebenserwartung, Sicherheit, Einkommen, Gesundheitswesen, Umwelt und anderem mehr. Das Resultat ist fundiert. Und eindeutig. Die Schweiz, das glücklichste Land der Welt.
Natürlich könnte ich nun einwenden, dass die “Freie Ferienrepublik Saas-Fee“ leider nicht getestet wurde. Der Sieger sähe dann wohl anders aus. Schliesslich ist bei uns die Natur noch viel intakter. Feinstaub bei uns fast ein Fremdwort. Viel Sonne, grossartige Viertausender, eine einmalige Alpenflora, um nur einiges zu nennen.
Es gibt sogar Leute die behaupten, wir hätten die besten Tourismusverantwortlichen, die uneigennützigsten und kompetentesten Politiker, die nachhaltigsten Raumplaner, die besten Gourmetrestaurants, die erfolgreichsten Bergbahnen, die geduldigsten und ehrlichsten Vermieter, die freundlichsten Menschen überhaupt und den fähigsten Blogger noch dazu… Wir kennen keinen Neid, bloss Liebe… Ein Paradies. Die Bürger der Freien Ferienrepublik Saas-Fee müssten die glücklichsten Menschen sein.
Schade, dass wir nicht beurteilt wurden. Das wäre ein Marketingargument gewesen: „Urlaub im glücklichsten Land der Welt!“.
Bloss, Glück ist das, was der Mensch empfindet, nicht das, was Wissenschaftler als glücksfördernd taxieren. Glück hat viel mit Gefühlen, mit Beziehungen zu tun. Und da spielen Liebe, Ehrlichkeit, Echtheit, Geduld, Uneigennützigkeit etc. eine viel grössere Rolle als wissenschaftliche Richtigkeiten. Wenn wir wünschen, dass wir und unsere Gäste im Saastal glücklich sind, dann gilt es diese Dinge zu pflegen. Klar, das ist Arbeit. Doch das Glück fällt einem nicht einfach in den Schoss…

„Das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Besitz, sondern im Geben. Wer andere glücklich macht, wird glücklich.“
André Gide

Christoph Gysel

Dienstag, 12. Mai 2015

Faszination pur


Begeistert kamen die beiden Frauen von ihren Wanderungen zurück. Sie waren unabhängig voneinander unterwegs gewesen. Nun aber sassen sie zusammen. Berichteten intensiv von ihren Erlebnissen. Zeigten sich unzählige Bilder auf ihren Smartphones. Neugierig wollte ich wissen, was denn der Grund ihrer Begeisterung wäre. Das herrliche Wetter, die wärmende Sonne oder das grossartige Gebirgspanorama? Fast wie aus einem Munde antworteten sie: Die Bergblumen! Sie waren fasziniert von der Alpenflora. Die Vielseitigkeit, die intensiven Farben, seltene Blumen selbst an unmöglichen Standorten. Stolz präsentierten sie mir die beeindruckenden Bilder des heutigen Tages.
Zugegeben, ich bin kein ausgeprägter Kenner der Alpenblumen. Ich kenne zwar Enziane, Edelweiss und noch ein paar andere Bergblumen. Aber dann bin ich mit meinem Latein - im wahrsten Sinne des Wortes - am Ende. Besagte Frauen kennen erstaunlicherweise nicht bloss die deutschen Bezeichnungen, sondern teilweise auch die lateinischen…
Klar, auch ich freue mich am Bergfrühling, der nun so vielfältig bunt begonnen hat. Die pure Faszination der Gäste weckte in mir nun aber auch etwas Begeisterung über die Vielfalt, Schönheit und Besonderheit der bei uns im Saastal nun langsam aufblühenden Pracht. Joseph von Eichendorff schrieb in diesem Zusammenhang von „dem grossen Bilderbuch, das Gott uns aufgeschlagen hat.“ Es ist wirklich zum Staunen. Grossartig, was der Schöpfer an Schönheit, Raffinesse, Vielfalt, Überraschung und Farbenpracht auch oder gerade in die Freien Ferienrepublik Saas-Fee hineingelegt hat.
Ich wünsche Einheimischen und Gästen die nötige Musse und den Blick, unsere wunderbare und einzigartige Pflanzenwelt zu bestaunen. Übrigens, auf die Sommersaison hin wird die grossartige Alpenblumenpromenade (Saas-Grund – Triftalp – Kreuzboden) mit den aktualisierten, hilfreichen Tafeln uns dabei helfen.

Christoph Gysel 

„Suchst du das Höchste, das Grösste? Die Pflanze kann es dich lehren. Was sie willenlos ist, sei du es wollend – das ist’s.“ 
Johann Christoph Friedrich von Schiller (1759-1805)


Montag, 4. Mai 2015

Schadenfreude



Ganz cool wollte er sein. Seine Clique beeindrucken. Mit viel Tempo, mit hoch erhobenem Haupt, kam er auf die Talstation zu. Im letzten Moment erst die elegante Kurve. Und dann so jämmerlich ausgerutscht auf einer am Boden liegenden Slalomstange, die er in seinem Imponiergehabe nicht beachtet hatte. Das Gelächter seiner Freunde war ihm sicher. Ansonsten war nichts passiert. Das Bild war mir aber Anlass, etwas über die meistverbreitete Freude nachzudenken. Die Schadenfreude.

Wikipedia erklärt diese Freude wie folgt: „Als Schadenfreude wird die Freude über das Missgeschick oder Unglück anderer bezeichnet.“


Bloss, warum kann man sich daran bloss freuen? Obiges Beispiel ist ja noch harmlos. Doch kenne ich Leute, die sich über den beruflichen Misserfolg anderer freuen. Die sich sogar beim Konkurs eines „Mitbewerbers“ still freuen. Die grösste Zahl bekennender Schadenfreudiger war nach dem Einbruch in Dieter Bohlens Villa zu verzeichnen. 10‘000ende haben sich ins Fäustchen gelacht, es dem Lästermaul gegönnt, um einige Dinge erleichtert worden zu sein.


Interessant ist die wissenschaftliche Feststellung, dass Kinder unter acht Jahren Schadenfreude nicht kennen. Schadenfreude sei angelernt. Und wenn der Psychoanalytiker Sigmund Freud sogar meint, dass Schadenfreude eine Form von Aggression sei, macht mich dies nachdenklich.


Dass Schadenfreude dem Lachenden ein paar Glücksmomente schenkt, kann ich nachvollziehen. Was ist aber mit dem Betroffenen? John Steinbeck hat schon darauf hingewiesen: „Auslachen ist schlimmer als auspeitschen.“ Und der Philosoph Schopenhauer meinte: „Der schlechteste Zug in der menschlichen Natur bleibt aber die Schadenfreude, da sie der Grausamkeit eng verwandt ist.“


Schadenfreude mag die einen zwar erheitern. Für die anderen ist sie aber sehr verletzend. Und das wollen wir eigentlich nicht. Da gibt es so viele Kampagnen zur Verhinderung von Unfällen und Verletzungen. Aber auf dem Gebiet der gegenseitigen seelischen Verletzungen, da machen wir uns einen Spass daraus. Das muss nicht sein. In der Freien Ferienrepublik erleben wir Dinge, die es sonst nicht gibt. Mehr Sonne. Mehr Schnee. Beste Pistenverhältnisse. Unzählige Wanderwege. Einzigartige Gletscher. Die höchsten Viertausender. Gesunde Luft. Intakte Natur. Es wäre schön, wenn auch das Miteinander idyllisch wäre. Es bei uns möglichst keine verletzende Schadenfreude mehr gäbe.



Christoph Gysel



„Für die Schadenfreude ist die Freude zu schade.“
Werner Mitsch